Le Pli

Aus dem Französischen: die Falte

Referenz auf das gleichnamige Buch von Gilles Deleuze mit dem Untertitel «Leibniz und der Barock» (Leibniz et le Baroque). Das Buch war ausschlaggebend für die Initiierung des Ensembles.

 

“Der Barock […] krümmt die Falte um und um, treibt sie ins Unendliche, Falte auf Falte, Falte nach Falte. […] Das Vielfältige ist nicht nur dasjenige, was viele Teile hat, sondern was auf viele Weisen gefaltet ist.”

 

Le Pli wurde 2013 vom Flötisten Ivan Denes ins Leben gerufen, 2016 erfolgte die Vereinsgründung. Heute unterhält der Verein zwei kammermusikalische Instrumentalensembles, die Konzertformate im Bereich Musikvermittlung und interdisziplinäre Projekte entwickeln: das Flötenensemble Le Pli und das Kammerensemble Le Pli.

 

“ein flexibler oder elastischer Körper hat noch kohärente Teile, die eine Falte bilden, so dass sie sich nicht in Teile von Teilen trennen, sondern sich vielmehr ins Unendliche in immer kleinere Falten unterteilen […].”

 

Gleich sein erstes Projekt präsentierte das Flötenensemble Le Pli im Januar 2014 ausserhalb der konventionellen Konzertorte: Im Museum Bellerive Zürich belebte es unter dem Titel «Musik für Flötisten-Solo» die Ausstellung über japanische Mode-Designer (wie Issey Miyake) mit einem Stück von C.P.E. Bach – in 18 verschiedenen Wiederholungen und Szenen im gesamten Museum verteilt.

 

“Falten – Entfalten heisst nicht einfach Spannen – Entspannen, Zusammenziehen – Ausdehnen, sondern Umhüllen – Auswirkeln, Zurückentwickeln – Fortentwickeln.”

 

Eine Weiterführung des Konzepts realisierte das Flötenensemble im Januar 2015, ebenfalls im Museum Bellerive, mit dem von Visuals begleiteten Konzert für Flöten, Klavier und Gesang «Musik in der Blume». 2016 und 2017 entwickelte Le Pli die interdisziplinäre Konzertreihe «8 Birds», in der es die Verbindung der Musik mit dem Vogelsang thematisierte. Dieses Programm wurde an 14 verschiedenen Orten der ganzen Schweiz aufgeführt. 2018 folgte das Format «Encounters and Fragments», in dem die Musikerinnen und Musiker kleinste musikalische Fragmente als zentrale Elemente erforschten, wie beispielsweise aus Stücken von John Cage, Erik Satie und Benedict Mason.

 

“Alles ändert sich, wenn man eher die Fluktuation als die innerliche Homothetik auftreten lässt, […] immer wieder einen Umweg hinzuzufügen, indem man aus jedem Intervall den Ort einer neuen Auffaltung macht. Hier ist es, wo man von Falte zu Falte geht, nicht von Punkt zu Punkt.”

 

2017 wurde – ebenfalls unter dem Namen Le Pli – ein Kammerensemble in der Besetzung von Flöte, Klarinette, Harfe und Streichquartett ins Leben gerufen, welches 2019 in der Schweiz und auf einer Tournee in Bolivien Musik für Harfe und Ensemble des 20. Jh. im Programm «Introduction, Méditation et danse» präsentierte.

 

“…bringt Zusammenklänge hervor, die entstehen und vergehen und gleichwohl weder Anfang noch Ende haben, die sich in sich selbst einer in den anderen umformen”

 

In ihren Konzertformaten der Saison 2021 befassen sich beide Formationen auf spezifische Weise mit verschiedenen Epochen der Musikgeschichte und deren Wechselwirkungen.

 

Aus: Deleuze, Gilles “Die Falte – Leibniz und der Barock”, (Le pli. Leibniz et le baroque, 1988). Suhkamp Taschenbuch, 2007.